Private Schulen sind öffentliche Schulen in freier Trägerschaft

Ein Beitrag zum Thema Wettbewerb um den Schulabschluss

Georg WiechelmannDie Überschrift soll provozieren und zur konstruktiven Auseinandersetzung anregen! Seit das „Reformzeitalter” angebrochen ist, in dem „Reformer” die Reform der Reform verkünden, die natürlich und vor allem auch die Schulen (welche eigentlich?) zu „besseren” Schulen machen sollen, suchen immer mehr Schülerinnen und Schüler und deren Eltern Alternativen zu staatlichen Bildungseinrichtungen.

Nach einer Umfrage des Instituts für Schulentwicklungsforschung, nachzulesen im FOCUS Nr. 7/97, würden bereits rd. 20 % der Eltern ihre Kinder am liebsten auf private Schulen schicken. Überfüllte Klassen, steigende Gewalt unter Schülern und pures Pauken verschlechtern nach Meinung vieler Eltern die Bedingungen des Lernens an vielen sog. öffentlichen Schulen. (Unkritische Leser sprechen von öffentlichen Schulen, wenn sie staatliche Schulen meinen.)

In dem Leitartikel der Lübecker Nachrichten vom 15./16. Februar 1998 stand zu lesen: „Die Mehrheit der Deutschen hält nach einer Forsa-Umfrage Lehrer an öffentlichen Schulen für überfordert, gibt ihnen die Note mangelhaft.” Und weiter: „Nur gut ein Drittel glaubt, daß die Kinder auch alles lernen, was sie im späteren Leben brauchen.” (BZM-Schülerinnen und -schüler bleiben/sind immer noch unsere Kinder, auch wenn viele dies nicht mehr so recht wahrhaben wollen, d. Verf.)

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es soll mit Blick auf unsere freiheitlich demokratische Ordnung unserer Gesellschaft nicht gegen die staatliche Schule argumentiert werden! Im Gegenteil: Brechen wir gemeinsam eine Lanze für diejenige Form und Durchführung von Schule, von Schulträgerschaft, in der menschliche Werte, Individualität und – dies gilt in gleicher Weise auch für berufsbildende Schulen, zu der unsere Schule, das Bildungszentrum Mortzfeld, gemeinnützige Schulgesellschaft, seit mehr als 40 Jahren in Lübeck gehört – Erziehung nicht zu kurz kommen!

Wenn wir dabei als Privatschule gelegentlich – allerdings ungerechtfertigt – verdächtigt werden, einer eher konservativen Grundeinstellung zu folgen, so vermag ich hierin keinen Widerspruch zur „besseren” (gleich moderneren?) Schule zu erkennen: Die pädagogische Arbeit am BZM mit den teilweise höheren mitmenschlichen und schulischen Anforderungen gerade auch für diejenigen, die mit dem Besuch der Privatschule oder der Arbeit in einer Privatschule neue Berufs- und Lebenschancen erhalten, verlangt von allen Beteiligten, unseren Schülerinnen und Schülern, aber auch von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Pädagogik- und Verwaltungsbereich, mehr Verständnis und bietet sicher manchen Zündstoff für Konflikte.

Schule ist für mich z. B. auch der Ort, an dem verschiedene Generationen miteinander lernen, sich aneinander reiben und dabei reifen – auch die sich für erwachsen halten! Daß daran alle, die es denn wollen, teilhaben können und es dann auch tun sollen, ist bei uns nicht von materiellfinanziellen Voraussetzungen, etwa von der Höhe des Schulgeldes abhängig. Das Schulgeld ist bei uns seit vielen Jahren sozial gestaffelt und berücksichtigt damit die finanziellen Verhältnisse in den Familien.

Wir bekennen uns zur Eigenbeteiligung unserer Schulgesellschafter und unserer SchülerEltern. Es drückt sich darin auch aus ein Stück unmittelbare Mitverantwortung und Teilnahme am Risiko/Chancengeschehen von Schule, so wie wir sie betreiben, nämlich in freier Trägerschaft.

Mit Blick auf Chancengleichheit im gemeinsamen Europa, eine private Schule zu besuchen, tragen wir Deutsche gemeinsam mit den Griechen die Schlußlaterne: Während bei unseren Nachbarn, z. B. in den Niederlanden, ca. 70 % (!) der Schüler eine Privatschule besuchen, sind es in Deutschland gerade 6 %. So gesehen sind deutsche Privatschüler eben doch unbekannte „Nicht-Schüler”, so wie es im Schleswig-Holsteinischen Schulgesetz immer noch heißt, und Privatschulen, die – nach Recht und sogar Gesetz – einen öffentlichen Auftrag wahrnehmen, konkurrenzlos.

Na denn…. soziale Marktwirtschaft!

Fortsetzung folgt!

Dr. Georg M. Wiechelmann